ONLINE-MAGAZIN DER CHRISTLICHEN KRANKENKASSE VERVIERS-EUPEN
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Liebe Leserinnen und Leser,

In unserem Umfeld haben wir alle schon einmal die Situation erlebt, dass ein Mensch eine Betreuung bei sich zu Hause brauchte. Unfälle, chirurgische Eingriffe, Behinderung oder chronische Krankheiten können Gründe dafür sein. Können wir ausreichende Lebensqualität für diese Menschen sichern? Eine weitere Herausforderung ist die Alterung der Bevölkerung…

In Flandern wurde bereits eine Pflegeversicherung ins Leben gerufen. Seit Jahren setzt die CKK sich für eine Pflegeversicherung ein, die auch die Bewohner der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Brüssel-Hauptstadt und der Wallonischen Region absichern soll. Die Regierung der Wallonischen Region erklärte 2015, dass sie in diesem Sinne handeln würde und veröffentlichte 2016 eine Rahmenmitteilung. Jetzt heißt es das Projekt in die Praxis umzusetzen. Außerdem ist es höchste Zeit, sich nach neuen strukturellen Mitteln umzusehen und verschiedene strategische Ausrichtungen zu überdenken.

Die bisherige Beihilfe zur Unterstützung der Betagten (BUB), die im Zuge der sechsten Staatsreform den Regionen und Gemeinschaften übertragen wurde, galt für Menschen ab 65 mit relativ geringen Einkünften. Wir müssen konsequent bleiben: lassen wir zwei Maßnahmen zur personenbezogenen Hilfe nebeneinander mit unterschied-lichen Anspruchskriterien in der gleichen Körperschaft fortbestehen? Dann haben wir einerseits ein System der Fürsorge, das nicht alle in Anspruch nehmen dürfen (mit einkommens- und altersbedingten Obergrenzen, …) und andererseits ein Versicherungsverfahren, bei dem der Bürger einen Beitrag leisten muss, auf die er aber im Notfall ohne alters- oder einkommensbedingte Einschränkungen Zugriff hat?

Wir halten es für wichtig, uns die Zeit zu nehmen, gemeinsam mit den zuständigen Stellen der Deutschsprachigen Gemeinschaft, zu überlegen, wie wir eine Pflegeversicherung für die in den deutschsprachigen Gemeinden ansässigen Bürgerinnen und Bürger gestalten sollen, die allen zugänglich ist und auf einer soliden solidarischen Basis stehen muss. Auch die gesamte Bevölkerung der Hauptstadtregion Brüssel ist von der Herausforderung der Pflegeversicherung betroffen.

Zwei Jahre vor der neuen regionalen Legislaturperiode wünscht die CKK sich, dass die guten Absichten der Regierungen endlich in die Tat umgesetzt werden. Wir stehen an einem entscheidenden Wendepunkt, wenn es um die Umsetzung dieser Verpflichtungen geht. Jetzt müssen politische Entscheidungen getroffen und strukturell abge-sicherte öffentliche Finanzierungsquellen erschlossen werden. Das ist eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen, die aber für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist.

Ihre Präsidentin
Madeleine Grosch

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