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GESUNDHEIT

Die Gesamtzahl der Menschen, die starke Schmerzmittel aus Morphin (Opioide) einnehmen, ist in sieben Jahren um 32 Prozent angestiegen. Es handelt sich hier um Arzneimittel, die besonders wirksam in der Schmerzbehandlung bei Krebspatienten sind. Sie werden aber auch zunehmend zur Behandlung  anderer chronischen Schmerzen, so beispielsweise Gelenkschmerzen, Neuralgien oder Rückenschmerzen eingesetzt. Opioide dürfen allerdings nicht unterschätzt werden.

Die Gesamtzahl der CKK-Versicherten, denen mindestens eine von ihrem Apotheker ausgelieferte Opioid-Packung erstattet wurde, stieg zwischen 2010 und 2017 von 304.000 auf 402.000. Betrachtet man diese Zahlen quer durch alle Altersstufen, steht fest, dass jeder elfte Versicherte im vergangenen Jahr Opioide eingenommen hat. Zu den Betroffenen gehören acht Prozent Krebspatienten. 92 Prozent nehmen Opioide zur Behandlung von Schmerzen ohne krebsartigen Hintergrund. Zahlreiche Fachärzte verschreiben Opioide, aber sie verordnen diese weniger Patienten (35 Prozent), als  es bei Hausärzten (65 Prozent) der Fall ist. Bei Patienten, die nicht an Krebs erkrankt sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie von Hausärzten und Fachärzten Opioide verschrieben bekommen, fast doppelt so hoch.

„Für die Behandlung von Schmerzen bei Krebspatienten hat die WHO bereits 1987 empfohlen, mit einem Stufenmodell fortzufahren“, betont Jean Hermesse, CKK-Generalsekretär. „In der ersten Phase geht es um die Behandlung mit einem traditionellen Schmerzmittel wie Paracetamol. Bei Bedarf wechseln die Ärzte schrittweise zu leistungsfähigeren Medikamenten. Opioide stehen auf dem höchsten Leistungsniveau. Die Einnahme von Opioiden in immer höheren Dosen bietet vielen Krebspatienten eine angemessene Schmerzbehandlung und einen hohen Therapiekomfort.“

Der Einsatz von Opioiden zur Behandlung von chronischen Schmerzen bei Nicht-Krebs-Patienten wird wissenschaftlich weniger unterstützt. Dennoch ist die Einnahme von Opioide bei diesen Patienten  merklich angestiegen.Aus einer CKK-Statistik geht hervor, dass dieses Phänomen sowohl bei niedrig dosierten Opioiden wie Tramadol (+36 Prozent zwischen 2010 und 2017) als auch bei hochdosierten Opioiden wie Oxycodon (+274 Prozent) und Fentanyl (+20 Prozent) auftritt. Noch beunruhigender: Mehr als jeder siebte Nicht-Krebskranke verwendet diese Arzneimittel über einen langen Zeitraum (ein Jahr und mindestens eine Behandlung pro Trimester).

Nebenwirkungen und Abhängigkeit

„Die Langzeitanwendung von Opioiden ist nicht ohne Risiko“, sagt Jean Hermesse. „Ziemlich schnell stellt sich eine Toleranz gegenüber der schmerzstillenden Wirkung ein. Eine längere Anwendung, erhöhte Dosen oder die Verschreibung einer stärkeren Variante steigern indes das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen, Abhängigkeit und Missbrauch. Zu den Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit (und der damit verbundenen Gefahr von Straßen- oder Arbeitsunfällen) sowie Verwirrung. Darüber hinaus können diese Medikamente die Wirkungsweise anderer Wirkstoffe negativ beeinflussen. Das Chancen-Risiko-Verhältnis muss immer sorgfältig geprüft werden. In den Vereinigten Staaten werden durch den dramatischen Anstieg des Opioid-Konsums alarmierende Missbräuche, Einweisungen in Notaufnahmen und sogar mit Todesfällen gemeldet. In Belgien ist der Opioid-Konsum derzeit halb so hoch wie in den USA, aber unser Land liegt immerhin auf Platz 6 im Ranking der OECD-Länder (Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung).

Für eine sinnvolle Verwendung von Opioiden

In diesem Bewusstsein wird das LIKIV Anfang Dezember ein konsensfähiges Treffen zum Thema „Der vernünftige Einsatz von Opioiden zur Behandlung chronischer Schmerzen“ organisieren. Ziel wird sein, die medizinische Versorgung auszuwerten, das Bewusstsein bei den Ärzten hinsichtlich der Gefahren eines verlängerten Opioid-Konsums zu schärfen und allen verschreibenden Medizinern Empfehlungen als Orientierungshilfe zu vermitteln. „Unsere Zahlen belegen den Handlungsbedarf“, meint Jean Hermesse abschließend. Opioide können manchmal helfen, chronische Schmerzen nicht-kanzerösen Ursprungs zu behandeln, allerdings unter großer Sorgfalt. Sie sollten vorzugsweise so schnell wie möglich und nur dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Alternativen scheitern. Darüber hinaus kann sich die Behandlung chronischer Krankheiten nicht auf einen arzneimittelorientierten Ansatz beschränken. Ein ganzheitlicher Ansatz, der Physiotherapie, Stressmanagement, gute Schlafgewohnheiten oder kognitive Verhaltenstherapie umfasst, ist viel vorteilhafter als die Verschreibung von Medikamenten.“

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Edito

 

Liebe Leserinnen und Leser,

das Klima in unserer Gesellschaft wird rauer und kälter, der Einsatz der eigenen Ellbogen so gut wie unverzichtbar. Viele versuchen, herauszuholen, was zu holen ist. So gesehen ist es ganz schön düster um uns bestellt.

Während der weihnachtliche Lichterglanz an Häusern und in Vorgärten immer üppiger wird, wird es bei uns drinnen hinter den Fassaden zusehends düsterer. Proportional zum Anstieg unseres Stromverbrauchs scheint unsere Energie der Achtsamkeit und Freundlichkeit zu sinken. Doch es gibt eine Kraft, die den messbaren Stromverbrauch übersteigt und die in jedem von uns verborgen liegt. Es sind Ideen und Werke, die auch bei Lichte betrachtet Bestand haben, die sich nicht verstecken müssen. Es sind Wohltaten zugunsten anderer, sind Gesten und Zeichen, die anderen helfen und ihre Freude am Leben bestärken – ein freund-licher Gruß, ein Lächeln, ein Anruf, ein Brief, eine helfende Hand, ein gutes Wort – eine Begegnung, die den anderen freudiger weitergehen lässt. Sehr viel mehr ist es letztlich nicht.

Unsere Krankenkasse ist ursprünglich ein „Hilfsverein auf Gegenseitigkeit“. Das kann man sich sehr schwer in einer technisch hochkomplexen Welt mit abertausend Regeln und Bestimmungen vorstellen, bleibt aber im Grunde immer noch das Fundament unseres Handelns in einer Welt, die immer weniger mit dem Wort „Solidarität“ anfangen kann, in der die Kluft zwischen Reich und Arm immer größer wird.

Die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte unserer Krankenkasse, wie Menschenwürde, gegenseitige Achtung, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit, ja auch Freiheit und Gleichheit wird uns in dieser Zeit wohltun und wäre auch mein Wunsch für uns alle zum Jahresende und zum neuen Jahr.

Ihre Präsidentin
Madeleine Grosch

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