ONLINE-MAGAZIN DER CHRISTLICHEN KRANKENKASSE VERVIERS-EUPEN
Aktuelles
SOZIALES

Gesundheit und Wohlbefinden, Entfaltung, Selbstvertrauen und soziale Teilhabe auf der einen Seite – seltene Besuche beim Arzt und niedriger Medikamentenkonsum auf der anderen Seite: Eine durch die CKK, ihre Bewegungen und die psychologische Fakultät der Katholischen Universität Löwen durchgeführte Studie belegt erstmals den signifikanten Zusammenhang zwischen ehrenamtlichem Engagement und subjektiver wie objektiver Gesundheit.

Die Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob das gemeinnützige Engagement im Vereins- und Verbandswesen Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Sie hatte zum Ziel, Erfahrungsberichte aus dem Freiwilligensektor mit Hypothesen aus der Forschung abzugleichen.

Mehr als 7000 Teilnehmer

Die Studie wurde in enger Zusammenarbeit mit den französisch- und flämischsprachigen Partnerbewegungen der CKK durchgeführt: Alteo und Samana (Bewegungen für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung), Eneo, Eneosport und Okra (Bewegungen für Menschen ab 50 Jahre), die Jugendbewegung Ocarina (vormals Jugend&Gesundheit) bzw. das flämische Pendant Kazou sowie Intersoc (Feriendienst der CKK). 2053 in diesen Vereinigungen aktive Ehrenamtler nahmen an einer Online-Umfrage teil und gaben Ihr Einverständnis, die ermittelten Antworten mit den 2017 und 2018 erhobenen Angaben ihrer Krankenkassenakte abzugleichen. Auf die gleiche Weise wurden die Antworten von 5000 Mitgliedern der CKK deren Gesundheitsdaten gegenübergestellt. Die insgesamt 7021 Studienteilnehmer wurden in vier Testgruppen unterteilt: Ehrenamtliche, die in einer oder mehreren Bewegungen der CKK aktiv sind; CKK-Mitglieder, die aktive Mitglieder einer gemeinnützigen Vereinigung sind; CKK-Mitglieder, die passive Mitglieder einer gemeinnützigen Vereinigung sind und CKK-Mitglieder, die nicht in einer gemeinnützigen Vereinigung aktiv sind.

Ehrenamtliches Engagement erhöht das Wohlbefinden

Erste Erkenntnis der Studie: die aktive Teilnahme am gemeinnützigen Vereins- oder Verbandsleben hat einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und fördert Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Möglichkeiten der Entfaltung und die soziale Teilhabe. Darüber hinaus ergab die Umfrage, dass sich die bei einer CKK-Bewegung ehrenamtlich Tätigen gesünder fühlen als die Teilnehmer der drei anderen Studiengruppen. Demgegenüber schätzen Personen, die keinerlei ehrenamtlicher Tätigkeit nachgehen, ihren Gesundheitszustand schlechter ein und leiden häufiger unter dem Gefühl der Einsamkeit.

„Das Ehrenamt trägt dazu bei, mit der Isolation zu brechen, soziale Bindungen einzugehen, sich nützlich gegenüber seinen Mitmenschen zu fühlen und die eigenen Überzeugungen nach vorne zu bringen. Als Mensch fühlt man sich wertgeschätzt und kann auf das Netzwerk, dem man angehört, zählen. Dies alles trägt dazu bei, dass man sich besser fühlt“, zeigt sich Jean Hermesse, Vizepräsident der CKK, begeistert. Er fährt fort: „Die Gesundheit ist immer mehr als nur der Spiegel der physischen Verfassung. Sie ist der Indikator für Lebensqualität und die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Das Ehrenamt ist seit jeher integraler Bestandteil der CKK und wird sowohl von unseren Werten wie Solidarität, Zwischenmenschlichkeit, Gerechtigkeit als auch von unseren Aktivitäten gleichermaßen getragen. Ob jung oder alt, krank oder gesund, sportlich oder nicht: bei uns findet jeder seinen Platz. Daher freut es mich außerordentlich, dass die Ehrenamtler in unseren Bewegungen sind besonders gesund fühlen.“

Weniger Medikamente

Wer sich gesund fühlt muss auch seltener auf Gesundheitsleistungen zurückgreifen – die Resultate der Umfrage bestätigen diese Annahme. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Ausübung einer gemeinnützigen Tätigkeit und der Wahrscheinlichkeit eines Besuches beim Arzt. Dies unabhängig vom eigenen Alter, vom medizinischen Fachbereich, vom Zivilstand oder der sozialen Zugehörigkeit: Wer nicht am gemeinnützigen Leben teilnimmt, fühlt sich häufiger krank – und sucht dementsprechend schneller einen Arzt auf, als eine ehrenamtlich engagierte Person. Die Studie ergab, dass Personen, die in einer der Bewegungen der CKK aktiv sind, seltener auf die Dienste von Fachmedizinern zurückgreifen.

Die Ausübung eines Ehrenamtes hat auch bedeutende Auswirkungen auf den Konsum erstattungspflichtiger Medikamente. Unter den in den CKK-Bewegungen organisierten Ehrenamtlern befinden sich weitaus mehr Personen, die überhaupt keine erstattungspflichtigen Medikamente konsumieren, als in den anderen Studiengruppen. Demgegenüber konsumieren Personen, die nicht gemeinnützig organisiert sind, erheblich mehr erstattungspflichtige Medikamente als jene in den ehrenamtlich aktiven Studiengruppen. Besonders augenfällig ist dies für die Arzneimittelklasse N, die auf das Nervensystem wirkende Medikamente umfasst (Antiepileptika, Antidepressiva, Antipsychotika): In den CKK-Bewegungen aktive Ehrenamtler konsumieren zweimal weniger Medikamente dieser Klasse N als Personen, die sich überhaupt nicht ehrenamtlich engagieren.

Das Ehrenamt unterstützen

„Auch wenn sich keine hundertprozentige Verbindung zwischen Ursache und Konsequenz herstellen lässt, ist die Wechselwirkung zwischen einer gemeinnützigen Tätigkeit und der Gesundheit klar ersichtlich“, erklären Jessica Morton und Bernard Rimé, Wissenschaftler an der Katholischen Universität Löwen. „Die Feststellungen untermauern wissenschaftliche Strömungen, die aufzeigen, wie groß die Bedeutung der gesellschaftlichen Teilhabe für das Wohlbefinden ist. Das Ehrenamt ist nicht nur eine Bereicherung für die Gesellschaft, es ist ebenfalls bedeutsam für die Gesundheit und das Wohlbefinden jener, die es ausüben.

Für die CKK sind die Feststellungen Antrieb genug, das Ehrenamt weiter zu fördern: „Sicher, das neue Gesetz zum Ehrenamt hat Klarheit in Bezug auf verschiedene Ungereimtheiten (Geschenke, Spesen,…)geschaffen, doch gilt es weitere offene Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich der ehrenamtlichen Tätigkeit für frühpensionierte oder arbeitssuchende Personen“, so Jean Hermesse. „Und die Anwendung oder eben die Nicht-Anwendung des Arbeitsrechts ist nicht eindeutig“, fährt er fort. Gleichzeitig werden dem Ehrenamtssektor durch erschwerte Bedingungen der Altersteilzeit viele Freiwillige vorenthalten. Dieser Aspekt wird häufig vernachlässigt.“

Die CKK möchte außerdem auf die Kommerzialisierung von Tätigkeiten hinweisen, die heute kostenlos oder ehrenamtlich ausgeführt werden und macht sich Sorgen, angesichts der Verbreitung von Plattformen, die eigentlich ehrenamtliche Aktivitäten gegen Entgelt anbieten. Jean Hermesse schlussfolgert: „Das Ehrenamt darf weder zur Verpflichtung werden, noch darf es instrumentalisiert werden. Es muss gefördert, anerkannt und aufgewertet werden. Denn eine Investition in das Ehrenamt ist eine Investition in die Gesundheit.“

Mehr Infos zur Studie finden Sie im Anhang.

Weitere Informationen unter www.ckk-mc.be

Teilen

Edito

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Frage der Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Arzneimitteln hat in letzter Zeit viel Raum in der Medienlandschaft eingenommen. Ob es um die Behandlung schwerer, seltener, chronischer oder akuter Krankheiten geht: wir wissen, dass nichts bestimmte Arzneimittel ersetzen kann. Doch wir wissen auch, dass sie das Gemeinwesen finanziell stark belasten. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Arzneimitteln werden in den kommenden Jahren eine große Herausforderung darstellen, für die die Christliche Krankenkasse sich mehr denn je einsetzen wird.

Doch wir sind der Ansicht, dass die Gesundheit unserer Gesellschaft auch durch eine andere, nicht patentierte Behandlung geschützt werden kann. Sie ist für jedermann frei verwendbar und hat nur positive Nebenwirkungen: das Zusammenleben. Zahlreiche Studien zeigen, dass die soziale Isolation und mangelnde Integration einen Zustand hervorrufen, der im Allgemeinen mit einer schlechteren körperlichen oder geistigen Verfassung in Verbindung steht. Andere wissenschaftliche Arbeiten kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass eine Freiwilligentätigkeit zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden der Person beiträgt, die sie ausübt.

Was wäre, wenn wir uns überlegen würden, allem was zum Zusammenleben beiträgt, mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher? Öffentliche Investitionen in die Förderung entsprechender Projekte können das Vorhaben nicht alleine schultern – denn die Unterstützung des Zusammenlebens ist nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern auch eine Frage der Kultur, der Bildung und des Wohlwollens.

Verbände, Strukturen, Schulen und Universitäten müssen sich an der Entwicklung von Verhaltensweisen beteiligen, die das Zusammenleben fördern. Die Medien, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Politiker müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Aber auch ein jeder von uns trägt Verantwortung: Sie und ich! Können wir erwarten, dass jeder von uns seine Fähigkeit, Bindungen zu anderen Menschen einzugehen, an der Organisation unserer Welt teilzunehmen, sei es auf kleiner oder großer Ebene, wieder in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellt? In einer Zeit, da unser Land gemeinschaftliche Turbulenzen durchlebt, in der die Gesellschaft mobilisiert werden muss, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, besteht die dringende Notwendigkeit, den Weg wieder einzuschlagen, der zu Verhaltensweisen ermutigt, die Begegnung, eine gesunde, durchsetzungsstarke und fürsorgliche Beziehung fördern. Die Teilhabe ist Teil der Lösung! Wohlbefinden und Gesundheit sind das Ergebnis.

Madeleine Grosch
Verwaltungsratspräsidentin

Archiv: Online-Ausgaben