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GESUNDHEIT

Die in den Apotheken angebotenen aktiven Schnelltests zur Überprüfung von Cholesterin, Allergien, Gluten-Unverträglichkeit, Harnwegsinfektionen, Eisenmangel, AIDS, Darmkrebs, Lyme-Borreliose-Syndrom, Wundstarrkrampf, Prostata, Fruchtbarkeitsproblemen … nehmen spürbar zu. Sind sie denn auch zuverlässig? Erhöhen sie unser Bewusstsein für die eigene Gesundheit? Wann sollten sie eingesetzt werden? Für wen sind sie bestimmt? Wie sollten sie durchgeführt werden? Wie sollte mit den Testergebnissen umgegangen werden? Wir haben Ratschläge für Sie.

Es ist doch heutzutage so, dass  landläufig die Ansicht vertreten wird, dass jede Frau anhand eines Schwangerschaftstests in der Lage ist, herauszufinden, ob sie schwanger ist.  Als diese Testverfahren vor mehr als 40 Jahren zum ersten Mal in Apotheken angeboten wurden, befürchtete man, dass sie bei Frauen Ängste verursachen und Ärzte in ihren Zuständigkeiten eingeschränkt würden …

In jüngster Zeit bieten die Apotheker neue Gesundheitstests an: einige dienen dazu, gesundheitliche Probleme aufzudecken. Andere helfen ernsthafte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Und dann gibt es diejenigen, die beim Einschätzen und Bewerten hilfreich sind (Hormonspiegel).
Ohne ärztliche Verordnung lassen sich Blut, Urin, Sperma oder Stuhl problemlos eigenständig testen: ein Set beinhaltet alle für eine einmalige Probenahme erforderlichen Hilfsmittel. Die Gesamtkosten trägt der Patient selbst; je nach Testbestimmung kommen dafür zwischen 8 und 30 Euro zusammen.
Die Zulassung neuer Selbstüberprüfungsverfahren ist im Vergleich zu unseren Nachbarn (z.B. in den Niederlanden) noch recht neu und entspricht noch nicht einer tatsächlichen Nachfrage. „Das geschieht zwangsläufig nicht ohne Zwischenrufe; hier ist ja schon von einer Kommerzialisierung der Gesundheit die Rede. Und das innerhalb einer Gesellschaft, die stets ängstlicher und individualistischer wird“, sorgt sich Dr. Thomas Orban, Allgemeinmediziner und Vorsitzender der wissenschaftlichen Gesellschaft der Allgemeinmedizin. Wo ist der medizinische Nutzen von Selbsttests, wenn weder ihre Zuverlässigkeit noch ihre einfache Anwendung erwiesen sind? Sorgen sie tatsächlich dafür, dass sich die Patienten ihrer Gesundheitsprobleme annehmen?“ Wir erläutern im Folgenden einige Einzelheiten…

Verantwortung für die Gesundheit tragen
„Schnelltests gibt es in Apotheken. Ihre Verfügbarkeit könnte ein Anreiz dafür sein, sich über seine Gesundheit Gedanken zu machen, was ja an sich eine gute Sache ist“, sagte Dr. Alex Peltier, Verantwortlicher für die Gesundheitspolitik der CKK. „Schnelltests bieten Personen, die in normalen Zeiten wahrscheinlich keinen Arzt aufgesucht hätten, die Möglichkeit zur raschen Erkennung eines gesundheitlichen Problems. Ein positives Ergebnis könnte den Gang zum Arzt beschleunigen, damit gewisse Krankheiten frühzeitiger erkannt und rascher behandelt und die Genesungschancen verbessert würden“.
Ein Schnelltest muss sinnvoll sein.  Das meint auch der Vize-Präsident der belgischen Apothekervereinigung, Alain Chaspierre: „Hier ist die beratende Rolle des Apothekers sehr wichtig. Ein Schnelltest kann einerseits interessant sein, andererseits ist er überflüssig. So ist beispielsweise ein Cholesterin-Test nutzlos, wenn kein Verdacht auf Herz- und Kreislauferkrankung besteht. Wenn eine Augenrötung trotz Behandlung mit Antihistamin nicht abnimmt, ist ein Allergietest sinnvoll. Ein Tetanus-Schnelltest kann im Fall einer Verletzung bei der Gartenarbeit ratsam sein, wenn man nicht mehr sicher ist, ob der Impfstoff noch aktiv ist. Beim AIDS-Schnelltest können Infektionen nachgewiesen werden, die älter als drei Monate sind. Eine am Vorabend eingefangene Infektion wäre hingegen nicht nachweisbar und der Test würde zu einem verfälschenden negativen Ergebnis führen“.

Welchen Mehrwert ergibt ein Schnelltest?
Die Nationale Ärztekammer gibt zu bedenken, dass Schnelltests nur wenige, eigentlich überhaupt keine Erkenntnisse über eine bestimmte Krankheit zulassen. Zusätzlich besteht die Gefahr der Fehleinschätzung: ein negatives Testergebnis gibt dem Patienten ein sicheres Gefühl, sodass er keinen Arzt mehr aufsucht, obwohl dieser ihm anderweitige Gesundheitsprobleme bescheinigt hätte. Andererseits können individuelle Testergebnisse wie hohe Cholesterinwerte oder eine hohe Konzentration prostataspezifischer Antigene unruhig machen, wo sie doch im Grunde bedeutungslos sind. Lassen Sie den Arzt die Ergebnisse abgleichen, denn er kann sie anhand anderer Parameter oder Risikofaktoren beurteilen. „Der Patient sollte unbedingt einen Hausarzt haben, der seine allgemeine medizinische Akte verwaltet“, sagt Dr. Peltier. „In dieser allgemeinen medizinischen Akte werden sämtliche gesundheitsbezogenen Ereignisse des Patienten eingetragen: Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Allergien, genetische Vorbelastungen, Ergebnisse aus Laboranalysen und unterschiedlichen Untersuchungen, fachärztliche Befunde und vieles mehr.“.
„Selbstausgeführte Schnelltests, deren Ergebnisse im Nachhinein von einem Arzt noch bestätigt werden müssen, haben nur einen geringen medizinischen Wert“, sagt Dr. Orban, „da der Arzt in den meisten Fällen eine neue und ähnliche Untersuchung durchführen muss“.

Sind Schnelltests zuverlässig und leicht durchzuführen?
Ein Schnelltest gilt nicht als Arzneimittel, sondern als ein medizinisches Hilfsmittel zur Diagnosestellung. Die Vorschriften für das Inverkehrbringen sind daher entsprechend locker. Darüber hinaus werfen die nicht sehr transparenten Schnelltestverfahren Fragen über deren Qualität auf. Für die in den Labors für klinische Biologie durchgeführten Tests gelten nämlich sehr hohe Qualitätsstandards. Darüber hinaus ist das Verfahren zur Ergebnisübermittlung recht kompliziert und der sachgemäße Umgang mit einigen Test-Sets nicht einfach. Zu guter Letzt führt Missbrauch zu vielen falschen Erkenntnissen.
Im Interesse der Patientensicherheit sollten Selbsttests präziser geregelt und kontrolliert werden. Der kommerzielle Vertrieb sollte den Apothekern vorbehalten bleiben, damit sich die Patienten zum einen auf zuverlässige Produkte und zum anderen auf die Beratung von tatsächlichen Gesundheitsfachleuten verlassen können, meint Dr. Peltier, der damit klar die Relevanz einer neutralen und betreuenden Funktion des Apothekers hervorhebt. Die Zuverlässigkeit einer Schnelltest–Diagnose muss erst noch bewiesen werden. Die Verfügbarkeit derartiger Sets sollte nicht unnötigerweise Angst erzeugen oder sogar eine zwanghafte Einbildung, krank zu sein um in der Folge zur Selbstmedikation zu greifen. „Dies kann dazu führen, dass banale Beschwerden, die bisher nicht zum Bereich der Medizin gehörten nunmehr mit einer Krankheit in Verbindung gebracht werden. Desweiteren würde ein übertriebener Einsatz von Schnelltest-Diagnosen sowohl bei der Erkennung von Krankheiten als auch bei deren Behandlung“ praktiziert, schlussfolgert Dr. Peltier.

  • Schnelltests sinnvoll einsetzen
    Allgemein gilt: bei Beschwerden oder Fragen zu bestimmten Krankheiten sollten Sie Ihren Arzt nach der Notwendigkeit weiterer Untersuchungen befragen.
  • Fragen Sie den Rat Ihres Apothekers, wenn Sie einen bestimmten Schnelltest durchführen möchten. Er wird Sie über Sinn und Nützlichkeit informieren. Er wird Ihnen vor allem sagen, was er nicht testet.
  • Überlegen Sie genau, wie Sie mit dem Testergebnis umgehen. Bedenken Sie die Konsequenzen, wenn Sie eigenständig eine Diagnose interpretieren, die einschneidende Maßnahmen mit sich bringt.
  • Machen Sie keinen Schnelltest, wenn es bereits ein organisiertes Verfahren zur Früherkennung von schweren Erkrankungen (wie Darmkrebs) gibt. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung ist der Test kostenlos, er wird registriert und von einem Arzt gelesen. Bei kostenlosen AIDS-Vorsorgeuntersuchungen ist eine Begleitung innerhalb von Vorsorgeeinrichtungen und Gesundheitssystemen inbegriffen.
  • Wenn Sie einen Schnelltest kaufen, bitten Sie den Apotheker um die Erläuterung der Gebrauchsanweisung und um Begleitung beim Umgang mit den Testergebnissen.
  • Lesen Sie den Beipackzettel aufmerksam durch und befolgen Sie strikt die Anweisungen und Schritte. Bei Zweifel oder Unbehagen bitten Sie einen nahestehenden Menschen um Hilfe.
  • Positive Testergebnisse erfordern eingehendere Untersuchungen. Gehen Sie also umgehend zum Arzt. Auch bei negativem Ergebnis empfiehlt sich eine medizinische Überwachung solange Symptome und Beschwerden andauern.

Zoom auf einige Schnelltests

  • Cholesterinspiegel
    Hierbei wird der Gesamtcholesterinspiegel im Blut gemessen. Dieses Verfahren ist nicht sinnvoll, da es eine Momentaufnahme speichert und nicht zwischen gutem und schlechtem Cholesterin unterscheidet. Ein normales Testergebnis ist keine Garantie dafür, dass alles in Ordnung ist. Um sich zu den Ergebnissen zu äußern, benötigt der Arzt ergänzende Informationen über die guten und schlechten Cholesterinanteile sowie über andere Risikofaktoren bei Herz-und Kreislauferkrankungen wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Tabakkonsum, Diabetes ….
  • Zöliakie (auch Glutenunverträglichkeit)
    Der Gluten-Test misst die Antikörper zum Nachweis einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Das Verfahren ist komplex und nicht jedermanns Sache. Ein positives Ergebnis gibt Hinweise auf Zöliakie, die erst noch durch weitere Untersuchungen (evtl. Biopsie) in der Arztpraxis bestätigt werden müssen.
    Die Zöliakie-Behandlung erfordert eine strenge glutenfreie Diät, die nicht ohne eine durch den Arzt bestätigte Diagnose begonnen werden sollte. Auch bei negativem Testergebnis, aber andauernden Beschwerden wie Blähungen und Verdauungsbeschwerden, sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen.
  • Infektion der Harnwege
    Verfärbungen des Testreifens beim Morgenurin-Test geben Auskunft über die Anwesenheit von weißen Blutkörperchen, Nitriten oder Proteinen. Ein eindeutiges Ergebnis ist jedoch nicht messbar, solange einer der drei Infektionsfaktoren nicht erkannt wurde. Die Wahrscheinlichkeit eines zweifelhaften Ergebnisses liegt je nach Faktor zwischen 8 und 12 Prozent. Dieser Test erfordert spezifische Erläuterungen des Apothekers über die gemessenen Faktoren, Ergebnisse, Vorgehensweise und Notwendigkeit, den Arzt im Anschluss zu kontaktieren.

 

Redaktion: Joëlle Delvaux, 18. Januar 2018
Foto: En Marche, iStock

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Edito

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

böse Zungen behaupten, man könne an der Zahl der Baustellen auf unseren Straßen ermessen, dass demnächst Wahlen anstehen. Schade, dass so wenige Wahlberechtigte tatsächlich über den bevorstehenden Urnengang auf dem Laufenden sind. „Wenn ich nicht müsste, würde ich nicht wählen“. Wer hört in dieser Zeit nicht mindestens einmal am Tag diesen Satz? Und dennoch, Wahlen sind für die Demokratie, was für die Kirche Weihnachten und Ostern sind. Wir gehen kaum noch hin, aber an diesen Tagen erinnert sich mancher daran, dass er irgendwie noch Teil dieser Gemeinschaft ist.

Das ist zwar nur ein kleiner Trost für die Bewegung, aber wer hingeht, signalisiert zumindest das Bewusstsein für ein gemeinsames Projekt. Die größten Feinde der Demokratie sind die Politikverdrossenheit („Das ist doch immer dasselbe Lied“) und der Fatalismus („Es ändert sich eh nichts“). Belgien ist eines der wenigen Länder, in denen Wahlpflicht herrscht. Sicher ändert das nicht viel am Wahlergebnis. Aber es zwingt uns, hin wieder über Politik nachzudenken, und das ist schon viel. Gerechtigkeit, Wohlstand, Sicherheit, Zusammenhalt, Familie, Frieden, Arbeit, Gesundheit… das sind Themen, bei denen wir alle hellhörig werden.

Nicht zufällig sind das auch die Anliegen der Christlichen Krankenkasse. Auch wenn wir keine Politik machen, hängt es von den Entscheidungen der Gewählten ab, ob wir unserem Auftrag in diesem Sinne gerecht werden können. Wer sagt also, dass wir kein Interesse mehr an der Politik haben? Wenn wir demnächst wieder an die Urnen müssen, sollten wir diese Wahl wie einen Neubeginn auffassen. Tun wir einfach so, als ob es das erste Mal sei. Dann werden wir uns auf jeden Fall eher mit dem Programm, den Versprechungen und den tatsächlichen Leistungen der Parteien und Personen auseinandersetzen. Unsere Stimme wird dann dieses Gemeinwesen etwas in Richtung soziale Gerechtigkeit, Wohlstand und Gesundheit für alle lenken. Das wünsche ich uns allen in dieser wichtigen Zeit des Umbruchs.

Ihre Präsidentin
Madeleine Grosch

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