ONLINE-MAGAZIN DER CHRISTLICHEN KRANKENKASSE VERVIERS-EUPEN
Aktuelles
Mehr Infos
Downloads
Artikel als PDF
Download PDF Druckoptimierte Version
EDITO

Von Elisabeth Degryse, CKK, Nationalsekretärin

Laut einer kürzlich in der britischen Fachzeitschrift für Kardiologie „European Heart Jounal“ (1) veröffentlichten Studie wurde die durch Luftverschmutzung verursachte Todesrate bisher weitgehend unterschätzt. Nicht etwa 480.000 vorzeitige Todesfälle wären in Europa jährlich zu beklagen, sondern fast 800.000….. Überrascht diese Neuigkeit tatsächlich?

Diese aufschlussreiche Studie sorgte in Pressekreisen für einigen Wirbel, was ja zunächst schon einmal eine gute Sache ist! Zusätzlich war die angewendete Methodik beachtenswert, derzufolge noch umfassendere Daten einer großen Bevölkerungsgruppe die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Verschmutzungsursachen berücksichtigen. 800.000 europäische Bürger sind von den vorzeitigen Todesfälle betroffen; die aufgrund von Atemwegs- oder Herzerkrankungen etwa zwei Jahre früher sterben. Die Studie deckt 40 bis 80 Prozent der Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz) auf.

Solche „Enthüllungen“ erinnern uns an den hohen Rat für Gesundheit, der bereits 2011 den Ernst der Lage in Belgien in Belgien erkannt hatte (2). Im ungeborenen Leben, so war zu lesen, kann die Luftverschmutzung für geringeres Geburtsgewicht, intrauterine Wachstumsverzögerungen, Frühgeburt (bis hin zum postnatalen Tod oder Sterblichkeit im Kindesalter) verantwortlich gemacht werden. Solche Warnungen geraten durch die Fülle der durch die Medien übermittelten Informationen rasch in Vergessenheit. Und dies, obwohl Belgien mit seinem außergewöhnlich dichten Straßennetz und seiner in Europa einzigartigen Firmenwagenflotte die Rangfolge der europäischen Staaten anführt, für die diese Warnungen besonders gelten. Die Herausforderungen für das Gesundheitswesen – aber auch für die Haushaltsmittel im öffentlichen Gesundheitssektor – sind enorm. Bereits im Jahr 2013 kam die Europäische Umweltagentur zu der Erkenntnis, dass Luftverschmutzung außerdem zu beträchtlichen wirtschaftlichen Auswirkungen und aufgrund verlorener Arbeitstage zu einer reduzierten Produktivität der gesamten Wirtschaft in Höhe von schätzungsweise 100 Millionen Euro führt. (3).

Wiederholte Aufforderungen
Bereits 2017 hatten etwa hundert Ärzte verschiedener Fachrichtungen in unserem Land einen Appell (4) an die Behörden gerichtet, den hohen Anteil an Luftschadstoffen (Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid…..) anzumahnen, da sie für die hier oben genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind, aber auch für verschiedene Krebsarten (Lunge und Blase, Leukämie bei Kindern). Zudem sind sie für weniger schmerzhafte Erkrankungen verantwortlich die den Alltag von Millionen Familien beeinflussen (Asthma, Allergien, gelegentliche oder chronische Bronchitis). Die Christliche Krankenkasse schließt sich diesen Ärzten und den Autoren der Studie an und fordert eine Angleichung der europäischen Normen – insbesondere in Bezug auf Feinstaub aus Dieselmotoren und Haushaltsheizungen – an die strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Weshalb lassen wir so viel Zeit verstreichen, um unsere Bewegungs- und Lebensmuster in Frage zu stellen? Unser Wohnsitz – manchmal hat man keine andere Wahl! – beeinflusst die Anzahl der zurückgelegten Kilometer und die Art des Transportmittels. Die Christlichen Krankenkasse legt seit jeher Wert auf eine Abstimmung der gesundheitsrelevanten Faktoren (Einkommen, Wohnen, Beschäftigung, Bildung usw.) im Einklang mit einer sanfteren Mobilität und Raumplanung, wo Zufußgehen, Radfahren und Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Vordergrund stehen, ohne dabei Sozialinteressen zu vernachlässigen. Jeden Tag ermutigen wir unsere Mitarbeiter und Mitglieder mitbürgerfreundliche, im Besonderen kinderfreundliche Verhaltensweisen anzunehmen. Eigenverantwortliches Handeln bedeutet Ansatz zur Problemlösung.

Seit dem Brügger Abkommen (2015) und dem Vertrag von Tallinn (2018) hat unsere Krankenkasse in Zusammenarbeit mit der Intermutualistischen Agentur – Organisation, die Krankenkassen aus verschiedenen Ländern zusammenführt – konsequent die internationale Angleichung der Luftqualitätsnormen an die Empfehlungen der WHO gefordert. Wenn wir den Erkenntnissen spezialisierter Wissenschaftler keine angemessene Aufmerksamkeit widmen, laufen wir Gefahr, verschiedene engverknüpfte Probleme in Bezug auf Gesundheit und Umwelt nicht wahrzunehmen.

 

(1) Cardiovascular disease burden from ambient air pollution in Europe reassessed using novel hazard ratio functions, European Hearth journal, Ausgabe vom 12. März 2019
(2) En route pour la santé. Les effets environnementaux du trafic sur la santé, Hoher Rat für Gesundheit, 2011
(3) Senkung der Gesundheitskosten in Höhe von 45 Milliarden Euro infolge der Luftverschmutzung durch LKW, nachzulesen unter diesem Link
(4) La population vit dans un air dangereux : l’appel de 100 médecins belges contre la pollution, Le Soir, Ausgabe vom 20. Mai 2017

Foto: © M. Detiffe

Teilen

Edito

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Frage der Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Arzneimitteln hat in letzter Zeit viel Raum in der Medienlandschaft eingenommen. Ob es um die Behandlung schwerer, seltener, chronischer oder akuter Krankheiten geht: wir wissen, dass nichts bestimmte Arzneimittel ersetzen kann. Doch wir wissen auch, dass sie das Gemeinwesen finanziell stark belasten. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Arzneimitteln werden in den kommenden Jahren eine große Herausforderung darstellen, für die die Christliche Krankenkasse sich mehr denn je einsetzen wird.

Doch wir sind der Ansicht, dass die Gesundheit unserer Gesellschaft auch durch eine andere, nicht patentierte Behandlung geschützt werden kann. Sie ist für jedermann frei verwendbar und hat nur positive Nebenwirkungen: das Zusammenleben. Zahlreiche Studien zeigen, dass die soziale Isolation und mangelnde Integration einen Zustand hervorrufen, der im Allgemeinen mit einer schlechteren körperlichen oder geistigen Verfassung in Verbindung steht. Andere wissenschaftliche Arbeiten kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass eine Freiwilligentätigkeit zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden der Person beiträgt, die sie ausübt.

Was wäre, wenn wir uns überlegen würden, allem was zum Zusammenleben beiträgt, mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher? Öffentliche Investitionen in die Förderung entsprechender Projekte können das Vorhaben nicht alleine schultern – denn die Unterstützung des Zusammenlebens ist nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern auch eine Frage der Kultur, der Bildung und des Wohlwollens.

Verbände, Strukturen, Schulen und Universitäten müssen sich an der Entwicklung von Verhaltensweisen beteiligen, die das Zusammenleben fördern. Die Medien, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Politiker müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Aber auch ein jeder von uns trägt Verantwortung: Sie und ich! Können wir erwarten, dass jeder von uns seine Fähigkeit, Bindungen zu anderen Menschen einzugehen, an der Organisation unserer Welt teilzunehmen, sei es auf kleiner oder großer Ebene, wieder in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellt? In einer Zeit, da unser Land gemeinschaftliche Turbulenzen durchlebt, in der die Gesellschaft mobilisiert werden muss, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, besteht die dringende Notwendigkeit, den Weg wieder einzuschlagen, der zu Verhaltensweisen ermutigt, die Begegnung, eine gesunde, durchsetzungsstarke und fürsorgliche Beziehung fördern. Die Teilhabe ist Teil der Lösung! Wohlbefinden und Gesundheit sind das Ergebnis.

Madeleine Grosch
Verwaltungsratspräsidentin

Archiv: Online-Ausgaben