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EDITO

850 Euro für ein Implantat, 660 Euro für eine Krone, 1 990 Euro für eine Brücke… Dies sind die Beträge, die von Zahnärzten durchschnittlich in Rechnung gestellt werden, wie eine Untersuchung der Christlichen Krankenkasse (CKK) ergeben hat. Die Statistiken ergeben sich aus den Ausgaben für Mitglieder, die bei der CKK die Zahnzusatzversicherung Denta + abgeschlossen haben. „Unser erstes Gesundheitsbarometer zur Zahngesundheit und zu festen Prothesen, die nicht von der Pflichtversicherung erstattet werden, zeigt, wie die Preise explodieren – ohne, dass es dafür eine wirkliche Rechtfertigung gibt“, zeigt sich Jean Hermesse, Generalsekretär der CKK, besorgt. Und er fügt hinzu: „Um Zahnprothesen für alle zugänglich zu machen, braucht es Transparenz und ein Regelwerk“.

Im Jahr 2018 tätigte die Christliche Krankenkasse 72 000 Rückzahlungen an die 145 000 CKK-Mitglieder, die der Zahnzusatzversicherung Denta + beigetreten sind. Davon waren 3 843 Rechnungen für feste Zahnprothesen ausgestellt worden. Dabei handelt es sich um Leistungen und um Material, für die keinerlei Rückerstattungen seitens der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen sind. Die Leistungserbringer legen ihr Honorar nach eigenem Ermessen fest – ob sie nun Vertragszahnärzte sind oder nicht. Im Vergleich mit Erhebungen aus den Jahren 2016 und 2017 lässt sich beobachten, wie ungünstig die Preisentwicklung für den Patienten ist.

Die Statistik zeigt Preise im drei- bis vierstelligen Bereich für die Behandlung eines einzelnen Zahnes und große Tarifunterschiede zwischen den einzelnen Leistungserbringern. So kann beispielsweise der Preis für eine Krone auf einem Implantat zwischen 1000 und 3000 Euro liegen, der höchste demnach das Dreifache des niedrigsten Tarifes betragen. Generell sind die Durchschnittspreise für Implantate, Kronen und Brücken zwischen 2016 und 2018 stabil geblieben. Dies gilt allerdings nicht für Inlays/Onlays (Einlagefüllung) und Attachments, bei denen die Durchschnittspreise – 526 und 538 Euro – um 16,5 bzw. 31 Prozent gestiegen sind.

Ein Mangel an Transparenz

„Die Wahl der genutzten Materialien kann sicherlich manchmal den Preisunterschied bei Prothesen oder Implantaten erklären – manche Erzeugnisse sind teurer als andere. Doch leider kennen wir weder den Wert der genutzten Materialien zur Herstellung von Zahnprothesen noch den Preis der Verarbeitung, den der Hersteller für maßgeschneiderte Kronen oder Inlays/Onlays verlangt“, so Jean Hermesse. In den Augen der CKK sollte dem deutschen Beispiel folgend die Zahnarztrechnung alle Eigenleistungen sowie die Materialkosten transparent wiedergeben. „Denn diese Praxis hat dazu geführt, die Kosten zu Lasten des Patienten zu senken und dessen Geldbeutel zu schonen“, so der CKK-Generalsekretär.

Preise und Honorare deckeln

Aus Sicht der CKK sollten die Kosten für Zahnprothesen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden – dadurch würden Preisstabilität und Zugänglichkeit für alle garantiert. Um einer Kostenexplosion vorzubeugen, sollten zudem die Preise für medizinisches Material gedeckelt und Maximalhonorare für Leistungserbringer festgelegt werden.

„Wir empfehlen das Modell ‚Reste à charge zéro‘ (dt. „Keine Eigenbeteiligung zu Lasten des Patienten“), eine wichtige Maßnahme, die kürzlich von der französischen Regierung getroffen wurde“, erklärt Jean Hermesse. „In Frankreich muss ein Zahnarzt seinem Patienten ab kommendem Jahr einen Kostenvoranschlag aushändigen, auf dem – neben weiteren Optionen – ein Angebot aufgeführt ist, das die vollständige Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung ermöglicht. Dieses Angebot garantiert den Franzosen kostenlose Prothesen und Kronen für alle sichtbaren Zähne.“

Eine langfristige Politik der Zahngesundheit

Auf lange Sicht ist es die Vorbeugung und die Sensibilisierung für die tägliche Zahngesundheit, die die Kosten für Prothesen im Erwachsenenalter und für die teuersten Zahngesundheitsleistungen senken werden“, so Jean Hermesse. Eine gute Zahngesundheit muss schon im jüngsten Alter beginnen. Dazu gehören gesunde Ernährungsgewohnheiten ebenso wie die tägliche Zahnhygiene und der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt. Doch derzeit geht einer von vier Belgiern noch nicht einmal alle drei Jahre zum Zahnarzt.

Die CKK fordert die Politik auf, Verantwortung zu übernehmen und plädiert für eine langfristige, kohärente und die Gliedstaaten übergreifende Gesundheitspolitik – in den Regionen und Gemeinschaften ebenso wie auf Ebene des Föderalstaates. Die CKK fordert:

  • die regelmäßige Durchführung von Aufklärungs- und Informationskampagnen zur Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit;
  • die Thematisierung der Zahngesundheit in Schulen und in Kindergärten;
  • in Brüssel, in der Wallonischen Region und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sollten Fachleute der täglichen Zahngesundheit ausgebildet werden, wie dies schon seit drei Jahren in Flandern der Fall ist. Diese Berufsgruppe hat eine große Bedeutung auf dem Gebiet der Wissensvermittlung, der Früherkennung und der Vorbeugung und sollte in Schulen, in Alten- und Pflegeheimen und in der Arbeit mit Beeinträchtigten eingesetzt werden;
  • Automaten, an denen zuckerhaltige Getränke und Snacks verkauft werden, sollten in Schulen verboten, der Zugang zu kostenlosem Wasser ermöglicht, eine gesunde Ernährung gefördert werden.

Weitere Informationen zur Zahngesundheit hier

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Edito

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Frage der Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Arzneimitteln hat in letzter Zeit viel Raum in der Medienlandschaft eingenommen. Ob es um die Behandlung schwerer, seltener, chronischer oder akuter Krankheiten geht: wir wissen, dass nichts bestimmte Arzneimittel ersetzen kann. Doch wir wissen auch, dass sie das Gemeinwesen finanziell stark belasten. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Arzneimitteln werden in den kommenden Jahren eine große Herausforderung darstellen, für die die Christliche Krankenkasse sich mehr denn je einsetzen wird.

Doch wir sind der Ansicht, dass die Gesundheit unserer Gesellschaft auch durch eine andere, nicht patentierte Behandlung geschützt werden kann. Sie ist für jedermann frei verwendbar und hat nur positive Nebenwirkungen: das Zusammenleben. Zahlreiche Studien zeigen, dass die soziale Isolation und mangelnde Integration einen Zustand hervorrufen, der im Allgemeinen mit einer schlechteren körperlichen oder geistigen Verfassung in Verbindung steht. Andere wissenschaftliche Arbeiten kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass eine Freiwilligentätigkeit zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden der Person beiträgt, die sie ausübt.

Was wäre, wenn wir uns überlegen würden, allem was zum Zusammenleben beiträgt, mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher? Öffentliche Investitionen in die Förderung entsprechender Projekte können das Vorhaben nicht alleine schultern – denn die Unterstützung des Zusammenlebens ist nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern auch eine Frage der Kultur, der Bildung und des Wohlwollens.

Verbände, Strukturen, Schulen und Universitäten müssen sich an der Entwicklung von Verhaltensweisen beteiligen, die das Zusammenleben fördern. Die Medien, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Politiker müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Aber auch ein jeder von uns trägt Verantwortung: Sie und ich! Können wir erwarten, dass jeder von uns seine Fähigkeit, Bindungen zu anderen Menschen einzugehen, an der Organisation unserer Welt teilzunehmen, sei es auf kleiner oder großer Ebene, wieder in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellt? In einer Zeit, da unser Land gemeinschaftliche Turbulenzen durchlebt, in der die Gesellschaft mobilisiert werden muss, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, besteht die dringende Notwendigkeit, den Weg wieder einzuschlagen, der zu Verhaltensweisen ermutigt, die Begegnung, eine gesunde, durchsetzungsstarke und fürsorgliche Beziehung fördern. Die Teilhabe ist Teil der Lösung! Wohlbefinden und Gesundheit sind das Ergebnis.

Madeleine Grosch
Verwaltungsratspräsidentin

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