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EDITO

Die Christliche Krankenkasse (CKK) hat am Dienstag der föderalen Ministerin für Soziales und Gesundheit, Maggie De Block, eine Petition vorgelegt, in der sie mehr Rechte für pflegende Angehörige fordert, und für welche sie innerhalb von zwei Wochen mehr als 35 000 Unterschriften sammeln konnte. In Ostbelgien haben mehr als 1 200 Menschen die Initiative unterstützt.

Die außergewöhnliche Begeisterung, die diese Initiative der Christlichen Krankenkasse geweckt hat, zeigt, dass die Situation der pflegenden Angehörigen in Belgien ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen ist, das zu einer Priorität für zukünftige Regierungen werden muss.

Die Christliche Krankenkasse konnte dabei auf die Unterstützung des frankophonen Comedians GuiHome zählen, der es geschafft hat, die schwierige Situation der fast eine Million pflegenden Angehörigen in Belgien zu verdeutlichen. Er veröffentlichte ein Video in den sozialen Netzwerken, das innerhalb von 14 Tagen fast 800 000 Mal angesehen wurde. Mit seinem unverwechselbaren Humor ist es ihm gelungen, auf die Situation der pflegenden Angehörigen, die in Belgien kaum Rechte und wenig Anerkennung erfahren, aufmerksam zu machen.

Wer sind die pflegenden Angehörigen?

Pflegende Angehörige sind Menschen, die sich um nahestehende Personen, die von einem Verlust ihrer Eigenständigkeit betroffen sind, kümmern. Pflegende Angehörige sind Ehepartner, Nachbarn, Kinder oder Freunde, die sich intensiv der Pflege einer Person widmen, die durch eine Beeinträchtigung, eine schwere oder chronische Krankheit oder schlicht durch hohes Alter in ihrer Autonomie eingeschränkt ist.

Pflegende Angehörige bieten Betreuung, Begleitung und Unterstützung: 14 Prozent unter ihnen sind noch keine 18 Jahre alt, Im Durchschnitt verbringt ein pflegender Angehöriger 4,2 Stunden am Tag damit, zu helfen. 71 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen; 30 Prozent der pflegenden Angehörigen mussten ihren Job aufgeben. Durch den Einsatz eines pflegenden Angehörigen werden gesellschaftliche Ausgaben in Höhe von durchschnittlich 1197 Euro pro Monat vermieden.

Immer mehr Menschen werden in den kommenden Jahren auf die Unterstützung eines Angehörigen angewiesen sein: Die Bevölkerungsalterung wird zu einem erheblichen Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen und damit zu einem erhöhten Bedarf an Hilfe und Pflege führen. Angepasste Alternativen sind entweder nicht vorhanden oder unzugänglich.

Was sind unsere Forderungen?

In den Augen der Christlichen Krankenkasse ist es daher unumgänglich, die Situation der pflegenden Angehörigen anzuerkennen und Ihnen spezifische Rechte zu ermöglichen. In Absprache mit dem Freiwilligensektor ist es notwendig, geeignete Lösungen und Unterstützungssysteme zu entwickeln, die den spezifischen Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen gerecht werden. Dabei ist darauf zu achten, dass sie nicht als Ersatz für Pflege- und Betreuungsfachkräfte dienen.

„Was wir mit dieser Petition erreichen wollten“, erklärt Jean Hermesse, Generalsekretär der Christlichen Krankenkasse, „ist zum einen, das Bewusstsein für das Thema der pflegenden Angehörigen zu schärfen. Die Begeisterung, die diese Kampagne ausgelöst hat, bestärkt uns in dieser Hinsicht. Andererseits wünschen wir uns eine Verpflichtung zur Verbesserung ihrer Rechte und insbesondere der Rechtsansprüche wie besonderer Urlaub oder Zeitguthaben, ausreichendes Ersatzeinkommen, Zugang zu bestehenden Leistungen wie Sozialtarifen, Beihilfen usw. Deshalb sind wir im Kabinett der föderalen Gesundheitsministerin vorstellig geworden, um die 35 651 Unterschriften unserer Petition persönlich abzugeben und damit den vielen Menschen, die uns ergreifende Erfahrungsberichte hinterlassen haben, zu versichern, dass sie gehört werden.“

Welches sind unsere Lösungsansätze?

Als kostenlose Dienstleistung für Mitglieder wie für Nicht-Mitglieder stellt die Christliche Krankenkasse betroffenen Personen den Dienst „AutonoME – Lösungen für ein Leben zu Hause“ zur Seite. Der Autonomie-Berater, Ansprechpartner für von Autonomieverlust betroffene Personen wie für pflegende Angehörige, analysiert mit dem Antragsteller die Situation und sucht mit ihm nach Lösungen, die auf seine persönliche Situation zugeschnitten sind. Weitere Informationen unter 087 32 43 38, www.rechte-pflegende-angehoerige.be, www.ckk-mc.be/autonomie und auf Facebook.

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Edito

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Frage der Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Arzneimitteln hat in letzter Zeit viel Raum in der Medienlandschaft eingenommen. Ob es um die Behandlung schwerer, seltener, chronischer oder akuter Krankheiten geht: wir wissen, dass nichts bestimmte Arzneimittel ersetzen kann. Doch wir wissen auch, dass sie das Gemeinwesen finanziell stark belasten. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Arzneimitteln werden in den kommenden Jahren eine große Herausforderung darstellen, für die die Christliche Krankenkasse sich mehr denn je einsetzen wird.

Doch wir sind der Ansicht, dass die Gesundheit unserer Gesellschaft auch durch eine andere, nicht patentierte Behandlung geschützt werden kann. Sie ist für jedermann frei verwendbar und hat nur positive Nebenwirkungen: das Zusammenleben. Zahlreiche Studien zeigen, dass die soziale Isolation und mangelnde Integration einen Zustand hervorrufen, der im Allgemeinen mit einer schlechteren körperlichen oder geistigen Verfassung in Verbindung steht. Andere wissenschaftliche Arbeiten kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass eine Freiwilligentätigkeit zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden der Person beiträgt, die sie ausübt.

Was wäre, wenn wir uns überlegen würden, allem was zum Zusammenleben beiträgt, mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher? Öffentliche Investitionen in die Förderung entsprechender Projekte können das Vorhaben nicht alleine schultern – denn die Unterstützung des Zusammenlebens ist nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern auch eine Frage der Kultur, der Bildung und des Wohlwollens.

Verbände, Strukturen, Schulen und Universitäten müssen sich an der Entwicklung von Verhaltensweisen beteiligen, die das Zusammenleben fördern. Die Medien, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Politiker müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Aber auch ein jeder von uns trägt Verantwortung: Sie und ich! Können wir erwarten, dass jeder von uns seine Fähigkeit, Bindungen zu anderen Menschen einzugehen, an der Organisation unserer Welt teilzunehmen, sei es auf kleiner oder großer Ebene, wieder in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellt? In einer Zeit, da unser Land gemeinschaftliche Turbulenzen durchlebt, in der die Gesellschaft mobilisiert werden muss, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, besteht die dringende Notwendigkeit, den Weg wieder einzuschlagen, der zu Verhaltensweisen ermutigt, die Begegnung, eine gesunde, durchsetzungsstarke und fürsorgliche Beziehung fördern. Die Teilhabe ist Teil der Lösung! Wohlbefinden und Gesundheit sind das Ergebnis.

Madeleine Grosch
Verwaltungsratspräsidentin

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