Ehrenamt, gerne im Plural

Interview mit Jean-Baptiste Dayez zum Stellenwert des Ehrenamtes in der CKK

2022 wird die sechste Auflage der Krankenkassenwahlen stattfinden. Bei diesen Wahlen werden die Mitglieder der Christlichen Krankenkasse CKK (bzw. Mutualité Chrétienne MC) bestimmt, die für sechs Jahre die neue Generalversammlung der Krankenkasse bilden werden. Jean-Baptiste Dayez, Verantwortlicher für Ehrenamt und Mitbestimmung bei der CKK, erläutert die Bedeutung der Freiwilligenarbeit in ihren verschiedenen Formen innerhalb der CKK und ihrer sozialpädagogischen Bewegungen.

Miteinander (MIT): Wozu führt die CKK eigentlich Wahlen unter ihren Mitgliedern durch?

J-B Dayez: Ein Gesetz von 1990 verpflichtet alle belgischen Krankenkassen, Wahlen unter ihren Mitgliedern zu organisieren. Seit 1992 geschieht dies alle sechs Jahre unter der Aufsicht des Kontrollamtes der Krankenkassen. Die Gewählten sind Mitglieder der CKK, die alle anderen Mitglieder vertreten, sich ehrenamtlich an der Verwaltung der Krankenkasse beteiligen und Entscheidungen in komplexen Fragen der Gesundheitsversorgung treffen. Dies ist ein wesentlicher, in unseren Werten verankerter Grundsatz der Demokratie und der Bürgerbeteiligung.

MIT: Welche Verantwortung tragen diese ehrenamtlichen Mandatarinnen und Mandatare?

J-B Dayez: Sie haben die Aufgabe, die strategischen und finanziellen Entscheidungen der CKK bzw. der Teilorganisationen mitzubestimmen. Sie sind das Bindeglied zwischen den Mitgliedern und den ständigen Mitarbeiter.innen der CKK. Dank dieser Menschen können wir starke politische Aussagen zum Thema Gesundheit formulieren. Man vergisst das oft, aber eine Krankenkasse ist nicht nur eine Versicherung gegen Krankheit und Invalidität. Die Personen, die sich ehrenamtlich an der Geschäftsführung beteiligen, sind sich der sozialen Rolle der Kranken-kasse bewusst – beim Sozialschutz, bei der Gesundheitsförderung, bei der Verteidigung unserer Rechte.

MIT: Wird hier von Mitgliedern, die ja keine Gesundheitsexperten sind, nicht zu viel erwartet?

J-B Dayez: Diese Aufgabe ist schwierig, aber wir lassen die Gewählten ja nicht allein. Dank unserer langjährigen Erfahrung verfügen wir über sehr großes Fachwissen auf dem sehr komplexen Gebiet der Gesundheitsversorgung. Die Ehrenamtlichen werden von unseren Fachleuten begleitet. Im Laufe der Zeit müssen sie sich bestimmte Fähigkeiten aneignen, um ihre Management-Aufgaben optimal ausüben zu können. Das ist eine Form der Professionalisierung und eine Aufwertung dieser ehrenamtlichen Arbeit. Umgekehrt wertet die Beteiligung der Ehrenamtlichen die Management-Arbeit erheblich auf, da die Ehrenamtlichen einen anderen Blick auf die Dinge werfen dank ihres Bezugs zu den Mitgliedern und Gegebenheiten vor Ort. So können sie auf bestimmte Bedürfnisse hinweisen, die nicht ausreichend erfüllt werden. Die Gewählten sind zuweilen der „Stachel im Fleisch“ der Struktur: Sie verhindern, dass die ständigen Mitarbeiter.innen in ihrem „Elfenbeinturm” bleiben.

MIT: Neben den Geschäftsführungsaufgaben gibt es noch andere Formen der ehrenamtlichen Tätigkeit bei der CKK. Welche sind das?

J-B Dayez: Das ehrenamtliche Engagement bei der CKK kann man in sechs Formen unterteilen.* Im Allgemeinen gibt es allerdings Überschneidungen zwischen diesen sechs Bereichen.

(*) Siehe Beitrag „Six Pack“ auf dieser Seite.

MIT: Warum ist das Ehrenamt für die CKK wichtig?

J-B Dayez: Die CKK glaubt fest an die Bedeutung des ehrenamtlichen Einsatzes für die Gesellschaft. Das Ehrenamt ist als Bestandteil des Wohlbefindens und als gesundheitsfördernd anerkannt. Es gibt dem Leben Sinn. Bezahlte Arbeit kann mitunter unbefriedigend sein, eine stärker selbstbestimmte Tätigkeit wird hingegen als ein lohnender Anreiz empfunden: Beim Ehrenamt entscheiden wir im Rahmen unserer Zeit, Energie usw., was wir unternehmen. Es ist die „Welt des Unentgeltlichen“, im Gegensatz zum Kapitalismus. Die Idee des Gebens setzt sich ab von der Allgegenwart des bezahlten Angebots: ehrenamtlich arbeiten heißt, sich zu einer Philosophie der gegenseitigen Hilfe bekennen. Ehrenamtliche Arbeit kann auch als Lernerfahrung dienen, als Tor zur Entdeckung neuer Tätigkeitsfelder.

Aus all diesen Gründen möchte die CKK das Ehrenamt in unserer Gesellschaft ganz allgemein fördern, weil es Leben, Interaktion und Austausch in ihre Strukturen bringt. Alle organisierten Aktivitäten stellen die Bedürfnisse und das reale Leben der Mitglieder in den Vordergrund. Die CKK wäre sich dessen nicht immer bewusst, wenn sie sich auf eine eher formale Rolle beschränken und weniger Wert auf die Nähe zu den Menschen legen würde.

 

Six Pack – Ehrenamt bei der CKK

Das obenstehende Interview beleuchtet den großen Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements innerhalb der Christlichen Krankenkasse bzw. der Mutualité Chrétienne (MC). Die reiche Vielfalt des Ehrenamts kann man zusammenfassend und z.T. nur stichwortmäßig in sechs verschiedene Formen unterteilen – ein „Six Pack“ an Möglichkeiten:

1.

Gewählte Vertretung der Mitglieder in den Entscheidungsgremien: Führung, Management und Verwaltung der CKK-MC. Alle sechs Jahre geheime Wahl der Mitglieder der Generalversammlung.

2.

Vertretung gesundheitspolitischer Positionen und der Werte der CKK in der Öffentlichkeit, auf politischer Ebene, national, regional oder lokal. In enger Zusammenarbeit mit der Christlichen Arbeiterbewegung CAB (MOC), der Christlichen Gewerkschaft CSC, WeSocialMovement (international). Unterstützt und untermauert mit Fakten und Untersuchungen des Studiendienstes der CKK-MC.

3.

Sprachrohr der Mitglieder: Netzwerke schaffen, der Stimme der Mitglieder bei den Entscheidungsgremien der CKK Gehör verschaffen, die CKK nach außen vertreten, Feedback von Veranstaltungen geben, über Erlebtes aus der Realität der Menschen berichten.

4.

Einsatz im lokalen Leben und bei Veranstaltungen. Förderung des sozialen Zusammenhalts durch unterschiedlichste Initiativen: Aktionen der Gesundheitsförderung oder Sportveranstaltungen; Organisation bzw. Begleitung von Aufenthalten für Jugendliche, Senioren, Kranke oder Behinderte; Spielanimationen, Debatten oder Vorträge, Schulungen, Ausflüge oder kulturelle Aktivitäten; Organisation von Mahlzei ten, Treffen oder Festen.

5.

Die Gesundheitsförderung: eine besondere Stärke der ehrenamtlichen Tätigkeit in der CKK. Netzwerk, Schulungen und gezielte Hilfsmittel zur Verbreitung von Gesundheitsinformationen. Positive Aufklärung der Mitglieder ohne moralisierenden Beigeschmack durch Vorträge, Debatten, thematische Erfahrungsgruppen.

6.

Personenbezogene Dienstleistungen und Hilfe: sehr stark ausgeprägt bei den sozialpädagogischen Bewegungen der CKK, wie etwa bei der Seniorenbewegung „Die Eiche“ oder der Sozialbewegung für Menschen mit und ohne Behinderung „Alteo“. Hilfsbedürftige Menschen unterstützen, ein offenes Ohr für ihre Probleme haben, soziale Kontakte knüpfen. Transport und Begleitung von kranken oder behinderten Menschen zu Arztterminen, Besuch von alleinstehenden Menschen, Begleitung von mittellosen Menschen, Unterstützung von Menschen, die sich von der digitalen Welt abgehängt fühlen. Räumlichkeiten für Asylbewerber oder Obdachlose bereitstellen. Aktivitäten für Kinder mit Behinderungen und in Krankenhäusern. Entfaltung eines menschliche Netzwerks der Solidarität zugunsten der am stärksten benachteiligten Menschen.

 

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