Krankenkassen machen sich für erschwingliche Arzneimittel stark

Test-Achats, die LUSS* und die Krankenkassen machen sich für erschwingliche Arzneimittel stark. Die von den Pharmaherstellern für Arzneimittel, insbesondere für Medikamente zur Behandlung von schweren Krankheiten wie Krebs oder seltenen Erkrankungen, geforderten Preise sind unbezahlbar geworden. Wenn dies so weiter geht, wird die Krankenversicherung auf Dauer gezwungen sein, die Kosten für verschiedene Behandlungen abzulehnen.

Die Pharmahersteller begründen die Preise mit den hohen Kosten für Forschung und Entwicklung. Aber sie weigern sich, offenzulegen, welche Kosten wirklich für die Entwicklung eines neuen Arzneimittels anfallen. Test-Achats, die LUSS und die Krankenkassen fordern die Behörden auf, Maßnahmen diese Zeitbombe zu entschärfen und die Preisspirale bei den Medikamenten einzudämmen, indem sie eine Petition auf www.medicamentstropchers.be gestartet haben.

Überzogene Preise

Die Arzneimittelpreise sprengen jeden Rahmen. Das trifft vor allem auf Medikamente zur Bekämpfung von Krebs, Auto-immunerkrankungen und seltenen Leiden zu, die immer schwerer zu Buche schlagen. Arzneimittelhersteller streben möglichst hohe Gewinne an und zögern nicht, mehrere zehntausend Euro für die Behandlung eines Patienten in Rechnung zu stellen. Der Preis für eine Arzneimitteltherapie bei einem Krebspatienten kann bis zu 100 000 Euro pro Jahr betragen. Für seltene Krankheiten kann das sich sogar auf 400 000 Euro summieren. Das Mittel Soliris der Firma Alexion zur Behandlung einer seltenen Nierenerkrankung hat den Sozialhaushalt 2011 etwa 9,2 Millionen Euro für 25 Patienten gekostet. Solche Preise gefährden das Überleben unseres Gesundheitssystems. 2015 hat das Landes-institut für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV) rund 1,5 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben, die in den Krankenhäusern verabreicht werden. Das sind 550 Millionen mehr als 2005, also ein Anstieg von 60 Prozent über einen Zeitraum von nicht einmal zehn Jahren.

Wenig überzeugende Argumente der Pharmaindustrie

Ihre Preise rechtfertigen die Hersteller mit hohen Forschungs- und Entwicklungskosten. Aber die Industrie weigert sich, offenzulegen, was die Einführung eines neuen Arzneimittels wirklich kostet. Ein wesentlicher Teil der Forschung findet nämlich an den Universitäten statt, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Außerdem geben die Hersteller für Marketing mehr Geld aus, als für Forschung. Die Gewinnspannen der Pharma-industrie gehören zu den höchsten verglichen mit allen anderen Branchen, nämlich bei rund 20 Prozent.

Therapeutischer Mehrwert zu gering

Das aktuelle Verfahren zur Entwicklung neuer Medikamente bietet zu wenig Mehrwert. Die Hersteller entwickeln praktisch keine neuen Mittel für bestimmte Krankheiten, obwohl hier dringender Bedarf besteht, wie zum Beispiel in die Einführung neuer Antibiotika zur Bekämpfung von Bakterien, die gegen alle bekannten Mittel resistent sind. Viele Arzneimittel hingegen bieten überhaupt keinen Mehrwert im Vergleich zu bestehenden Produkten. Die unabhängige französische Revue „Prescire“ kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass nur zwei Prozent der Medikamente, die zwischen 2000 und 2013 auf den französischen Markt eingeführt wurden, wirklich Fortschritte gebracht haben, und nur 7 Prozent stellen im Vergleich zu ihren Vorgängerprodukten einen echten Mehrwert dar.

Unterschreiben Sie die Petition!

Test-Achats, die LUSS und die Krankenkassen fordern mehr Transparenz bei den Pharmaherstellern, nicht nur hinsichtlich der tatsächlichen Forschungs- und Entwicklungskosten für die einzelnen Medikamente, sondern auch eine klare Trennung der mit öffentlichen Mitteln finanzierten Investitionen von solchen, die mit privaten Mitteln bestritten werden. Die Staaten der Europäischen Union müssen im Übrigen ihre Kräfte bündeln, um die Preise mit den Herstellern auszuhandeln und den Nutzen eines Arzneimittels zu beurteilen, beispielsweise bei der Frage, ob es Alternative gibt, ob das Mittel mehr Lebensqualität verspricht, ob es die Lebenserwartung erhöht. Das heutige System, wonach eine pharmazeutische Firma ein Patent – und somit das Monopol – auf das von ihr entwickelte Produkt erhält, funktioniert offensichtlich nicht. Zusätzliche Anreize, die den Firmen offenstehen, wie ergänzende Schutzzertifikate und Vertriebsexklusivität, verschärfen das Problem nur noch mehr. Aus diesem Grund ist alles an den Entwurf eines neuen Forschungs- und Entwicklungskonzepts zu setzen. Das Föderale Wissenszentrum für Gesundheitsversorgung (KCE) veröffentlicht heute einen Bericht, in dem Auswege aus der Sackgasse aufgezeigt werden. Wir fordern unsere politischen Entscheidungsträge rauf, diese Vorschläge gründlich zu analysieren und eine öffentliche Debatte unter Einbezug aller Betroffenengruppen anzuregen.

Test-Achats, die LUSS und die Krankenkassen starten eine Petition unter www.medicamentstropchers.be, in der die Behörden aufgefordert werden, die gefährliche Preisspirale bei den Arzneimitteln zu bremsen. Diese Organisationen rufen alle Verbraucher auf, denen der Zugang zur Gesundheitsvorsorge ein wichtiges Anliegen ist, diese Petition zu unterschreiben.

*Liga der Nutzer des Gesundheitswesens

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