Page 5 - Miteinander_5_2016
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Zu den Prioritäten der Christlichen Krankenkasse gehört das Bemühen um Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Bür- ger! Aber der Vorschlag einiger Krankenkassen, die eine voll- ständige Erstattung der Beratungen des Hausarztes und des Gynäkologen durchsetzen wollen, kann nicht die richtige Lösung sein.
Es sei daran erinnert, dass es in Belgien einen gesetzlichen Eigenanteil gibt, den der Patient nach Abrechnung mit seiner Krankenkasse selbst zu tragen hat. Die vollständige Kostener- stattung von Beratungen bei Allgemeinmedizinern und Gynä- kologen als sozialen Fortschritt zu bezeichnen ist jedoch falsch. Vielmehr sollten wir uns fragen, wie stark sich die Zuzahlungen des Patienten tatsächlich auf die privaten Haushalte auswirken? Stellen sie wirklich ein Hindernis bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen dar? Würde eine vollständige Kosten- befreiung nicht eher den übermäßigen Konsum fördern?
DiewirklichenProbleme
Seit Jahren prangert die Christliche Krankenkasse die Kosten für die Patientenversorgung in Belgien an: sie beziffern sich inzwi- schen auf 9 Milliarden Euro, was einen durchschnittlichen Jah- resbetrag von rund 800 Euro pro Person ausmacht! In diesem Betrag sind die Patientenanteile, aber auch – und vor allem - die zusätzlichen Honorare, sowie die nicht erstattungsfähigen Leistungen und Arzneimittel enthalten. Für chronisch Kranke, gebrechliche ältere und behinderte Menschen, ... sind diese Kosten besonders hoch. Die für einen Besuch beim Allgemein- mediziner anfallenden Patientenanteile sind nur ein winziger Anteil der gesamten Zuzahlungen des Patienten. Er entspricht lediglich 137 Millionen Euro der etwa 9 Milliarden.
Macht sich aber inzwischen nicht der Ärztemangel bereits so stark bemerkbar, dass in bestimmten Regionen das eigentliche Problem darin besteht, überhaupt einen Allgemeinmediziner zu finden bzw. einen Termin zu erhalten? Andere Gesundheitslei- stungen sind dagegen sehr teuer: Arzneimittel (hier bleiben zwei Milliarden Euro am Patienten hängen), zahnärztliche Leistun- gen (800 Millionen), Krankenhausbehandlungen, Kosten für Rettungsdienste, Kieferorthopädie, Hör- und Sehhilfen...
Und wenn Patienten auf die Beratung beim Hausarzt verzichten, dann ist es eher wegen der Kosten für die verschreibungspflich- tigen Medikamente, als wegen des Arzthonorars.
DieRisikenderKostenlosigkeit
Bei kostenlosen Dienstleistungsangeboten besteht einerseits die Neigung zum Überkonsum, andererseits besteht die Gefahr einer Abwertung des Berufsbildes. Sicherlich werden gewisse Gesundheitsdienstleistungen vollständig zurückgezahlt, aber wenn es die Gesamtbevölkerung betrifft, sollte vielmehr der Förderung bewährter Praxis (wie Vorbeugemaßnahmen oder die allgemeine medizinische Akte beim Hausarzt) und das Erler- nen guter Gewohnheiten von Kindheit an (die meisten zahnärztlichen Leistungen werden bei Kindern unter 18 zu 100 Prozent erstattet) ein besonderes Augenmerk gelten.
Zu Recht kann die Frage gestellt werden, warum Gynäkologen die einzigen Fachärzte sind, die von der vorgeschlagenen Maß- nahme sein sollten. Ein Argument ist die Förderung der Gleich- stellung von Mann und Frau, aber insbesondere von schwange- ren Frauen, denn diese müssen vor einer Entbindung häufig zum Frauenarzt. Wir erinnern daran, dass der Gynäkologe ein Facharzt ist und nicht zum Hausarzt der Frauen werden muss. Zur medizinischen Überwachung während der Schwanger- schaft, so wissen wir, verordnet der Gynäkologe in der Regel mehr Ultraschallleistungen, als bei einer normalen Schwanger- schaft wissenschaftlich empfohlen werden. Zur besseren Unter- stützung der zukünftigen Mütter wären diese Krankenkassen besser beraten, die Rolle der Hebammen etwas mehr in den Vor- dergrund zu stellen: die meisten ihrer Leistungen werden voll- ständig erstattet und über 90 Prozent aller Hebammen sind ver- traglich gebunden!
Ist der Gynäkologe ein Hausarzt?
Problemkosten absichern
Die Patienten fürchten vor allem die teuren Behandlungsrech- nungen, und die CKK setzt sich dafür ein, dass sie im Rahmen der Pflichtversicherung besser abgedeckt sind. Sie konzentriert deshalb ihre Mittel auf Maßnahmen zur Senkung Patienten- rechnung: solidarische Krankenhausversicherung, Zahnzusatz- versicherung Denta, Übernahme der dringenden Transportko- sten, Erstattung der Leistungen für Kleinkinder oder für Gene- sungsaufenthalte ... Ohne diese solidarische Lösung würde der Patient entweder teure zusätzliche Versicherungen ab- schließen oder an seine eigenen finanziellen Reserven gehen müssen bzw. sich verschulden.
Der Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung für alle bleibt für die CKK die erste Herausforderung. Wir stehen für eine solidarische Absicherung zur Abdeckung finanzieller Risiken sowie großer und teurer Behandlungsrechnungen.
miteinander
Gesundheitsversorgung
Kostenloser Arztbesuch - unrealistisch?
MITEINANDER 5/2016 | 5
soziales

