Zahl der Kaiserschnitte

Von Krankenhaus zu Krankenhaus sehr unterschiedlich

Als Mitglied des Verwaltungsrates des Föderalen Wissenszentrums Gesundheitsversorgung (KCE) hat die Intermutualistische Agentur (IMA) den KCE-Bericht ‚Geplante Kaiserschnitte: welches sind die gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind?‘. Im Anschluss an diesen Bericht gibt die IMA die Anzahl Kaiserschnitte je Entbindungsstation bekannt. Aus den IMA-Statistiken ist ersichtlich, dass in Belgien rund 21% der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt kommen. Das ist im europäischen Vergleich vertretbar. Allerdings gibt es wirklich erhebliche Unterschiede zwischen den belgischen Krankenhäusern.

Die Zahl schwankt zwischen 11,8% und 32,9%. Diese Schwankung ist zu groß, auch wenn die Geburten in Referenzzentren für komplizierte Fälle und die Unterschiede in der Bevölkerung ausgenommen werden. Wir brauchen unbedingt eine ausführliche Aufzeichnung der Gründe für die Durchführung eines Kaiserschnitts, um die Unterschiede zwischen den Entbindungskliniken zu verringern.

IMA-Zahlen belegen große Unterschiede zwischen Krankenhäusern

Von hundert Kindern kommen in Belgien etwa 21 per Kaiserschnitt zur Welt (2014: 20,6% in Flandern, 22,4% in der Wallonischen Region und 20% in der Region Brüssel).* Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich 1985 noch für eine Einschränkung der Kaiserschnitte auf 10 bis 15% ausgesprochen. Die Empfehlung wurde 2015 aktualisiert: künftig geht es weniger um die Anzahl als um die Beschränkung auf Fälle, in denen eine medizinische Indikation besteht.

Die belgischen Zahlen halten sich in einem annehmbaren Rahmen, auch wenn klar ist, dass diese Zahlen nicht weiter ansteigen dürfen. Auffallend sind die erheblichen Unterschiede zwischen den Krankenhäusern in allen Regionen Belgiens (von 11,8% bis 32,9%, vgl. Tabelle im Anhang). Diese Schwankungen zwischen den Entbindungskliniken sind zu stark. Manchmal ist die Erklärung hierfür einfach. So liegt die Zahl der Kaiserschnitte in den Referenzzentren für kompliziertere Fälle oder in Universitätskrankenhäusern höher. Aber auch nach einer Bereinigung dieser Zahlen bleibt der Unterschied zwischen bestimmten Entbindungskliniken zu groß.

Der Trend: Kaiserschnitt auf Anfrage

Der Kaiserschnitt ist ein chirurgischer Eingriff, der das Leben der Mutter und des Kindes retten kann, wenn der Eingriff aus eindeutigen medizinischen Gründen durchgeführt wird. Das Föderale Wissenszentrum Gesundheitsversorgung (KCE) hat in seiner Studie zu den geplanten Kaiserschnitten jedoch festgestellt, dass dieser Eingriff in den letzten 30 Jahren immer häufiger zu einer Routinemaßnahme wird und selbst auf Ersuchen der künftigen Eltern aus persönlichen Gründen ohne medizinische Notwendigkeit ausgeführt wird. Einige Frauenärzte schlagen sogar einen Kaiserschnitt vor, weil das ihrer Terminplanung entgegenkommt.

Ein Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation bringt keine gesund- heitlichen Vorteile. Im Gegenteil!

Dafür, dass medizinisch nicht angezeigte Kaiserschnitte einen gesundheitlichen Nutzen für Mutter und Kind darstellen, fehlt jeglicher Nachweis. In den einschlägigen Veröffentlichungen wird immer häufiger auf kurz- oder langfristige negative Folgen hingewiesen. Ein Großteil des durch Kaiserschnitte bedingten Risikos bezieht sich auf den Verlauf späterer Schwangerschaften.

Die Bedeutung von ausführlichen Aufzeichnungen und Informationen

Für die KCE ist Bewusstseinsbildung von grundlegender Bedeutung, sowohl für den Leistungserbringer als auch für (künftige) Eltern.

  • Die Leistungserbringer detaillierte Protokolle führen, in denen die Gründe für die Kaiserschnitte dargelegt sind. Dies müsste langfristig zu einer Verringerung der nicht nachvollziehbaren Unterschiede in Belgien führen.
  • Auch die Veröffentlichung der Anzahl Kaiserschnitte je Entbindungsstation ist eine wichtige Information zur Sensibilisierung (werdender) Eltern. Künftige Eltern müssen unmissverständlich über die Folgen der verschiedenen Entbindungsverfahren für Mutter und Kind aufgeklärt werden, damit sie Vorteile und Risiken einschätzen können.

*In den Krankenhäusern Eupen und St. Vith kommt fast jedes fünfte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Das entspricht dem gesamtbelgischen Profil.

Zur Intermutualistischen Agentur (IMA)

In Belgien haben wir 7 Krankenkassen. Diese Krankenkassen tragen zahlreiche Verwaltungs- und Rechnungsdaten ihrer Versicherten zusammen. Die Intermutualistische Agentur (IMA) zentralisiert und wertet diese Daten aus.

Das geschieht auf eigene Initiative oder auf Anfrage der gesetzlichen Partner: Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV), Föderaler Öffentlicher Dienst (FÖD) Volksgesundheit, FÖD Soziale Sicherheit, und Föderales Wissenszentrum Gesundheitsversorgung (KCE).

Die IMA setzt sich durch Aufzeichnungen, Analysen und Studien für eine ständige Verbesserung eines effizienten Gesundheitssystems und einer wirtschaftlichen Krankenversicherung ein.

Postanschrift:

AIM/IMA,
Avenue de Tervueren
188A bte 9 Tervurenlaan
B- 1150 Brüssel

KCE-Bericht unter kce.fgov.be

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